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Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt

In der Bundesrepublik Deutschland wird die Verbreitung sowohl der natürlich vorkommenden als auch der infolge menschlicher Tätigkeit vorhandenen künstlichen radioaktiven Stoffe zum Schutz der Bevölkerung landesweit überwacht. Auf der Basis des Strahlenschutzgesetzes (StrlSchG), des Atomgesetzes (AtG), der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) und der Richtlinie zur Emissions- und Immissionsüberwachung kerntechnischer Anlagen (REI) wird mit bundesweiten und landesspezifischen Messnetzen und Messprogrammen der Gehalt an radioaktiven Stoffen in den Umweltmedien erfasst und damit bei möglichen Gefahrenlagen die Grundlage für schnelles Handeln zum Schutz der Bevölkerung gelegt.

Gemäß Zuständigkeitsverordnung des Landes Sachsen-Anhalt obliegt dem Landesamt für Umweltschutz als Fachbehörde des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Energie die Ermittlung der Radioaktivität in der Umwelt.

Diese Aufgaben werden vom Fachgebiet Umweltradioaktivität/Strahlenschutz des LAU mit den beiden Landesmessstellen "Nord" in Osterburg und "Süd" in Halle wahrgenommen.

Weitere Informationen zur Überwachung der Radioaktivität finden Sie durch Klick auf die folgenden Punkte

Messtechnik

Der radioaktive Zerfall von instabilen Nukliden ist mit der Aussendung von Strahlung verbunden. Gleichfalls tritt Strahlung bei Kernspaltungsprozessen und Kernreaktionen auf. Dabei sind vier Strahlungsarten zu unterscheiden:

  • Alphastrahlung besteht aus doppelt positiv geladenen Heliumkernen. Ihre Reichweite beträgt etwa 3 cm in der Luft bzw. 5 Mikrometer in Gewebe.
  • Als Betastrahlung bezeichnet man die Emission von Elektronen oder Positronen beim radioaktiven Zerfall. Die Reichweite dieser Strahlung beträgt je nach Energie der Betateilchen in der Luft einige Meter und im Gewebe einige Millimeter.
  • Gammastrahlung ist eine hochenergetische, kurzwellige, elektromagnetische Strahlung mit hohem Durchdringungsvermögen. Je nach Energie sind Luft und Gewebe nur unbedeutende Hindernisse für diese Strahlung. Durch Schwermetalle oder Beton kann die Strahlung wirksam abgeschirmt werden.
  • Neutronenstrahlung entsteht bei der Kernspaltung (z.B. in Kernkraftwerken) oder bei Kernreaktionen (z.B. in Neutronenstrahlenquellen). Sie hat ebenfalls ein hohes Durchdringungsvermögen und wirkt besonders stark auf wasserstoffhaltige Materialien, zu denen auch menschliches Gewebe zählt.

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Messprogramme

Mehr als zwei Drittel der Arbeit der beiden Landesmessstellen betrifft das im Auftrag des Bundes durchgeführte Messprogramm zur Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt im Rahmen des "Integrierten Mess- und Informationssystems" (IMIS) nach StrSchG als Folge der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl.

Daneben werden auch folgende Aufgaben bearbeitet:

  • Umgebungsüberwachung des Endlagers für radioaktive Abfälle Morsleben
  • Messungen im Rahmen der amtlichen Lebensmittelkontrolle (Akkreditierung durch die DAkks liegt seit dem 25.11.2013 vor)
  • Messung des Radiocäsiumgehaltes von Wild und Pilzen
  • Überwachung der radioaktiven Ableitungen von Radionuklidanwendern im LSA (meist medizinische und wissenschaftliche Einrichtungen)
  • Messungen im Rahmen der nuklearspezifischen Gefahrenabwehr (bei Unfällen und Gesetzesverletzungen)

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Untersuchte Medien

Die Aufgaben des Landes Sachsen-Anhalt im Rahmen des IMIS, d. h. die Durchführung des landesspezifischen Messprogrammes zur Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt, werden von den in Halle und Osterburg eingerichteten Landesmessstellen wahrgenommen. Entsprechend den für alle Bundesländer geltenden einheitlichen Messvorschriften werden die im Routinemessprogramm des Landes Sachsen-Anhalt nach Probenahmeort, Probenart, Probenahmezeitpunkt und nach anzuwendendem Messverfahren festgelegten Proben jährlich auf ihren Gehalt an Radionukliden untersucht.

Die Radioaktivität wird insbesondere in folgenden Medien ermittelt:

  • in Lebensmitteln
  • in Futtermitteln
  • im Trink- und Grundwasser
  • in Abwässern, Klärschlamm, Reststoffen und Abfällen
  • im Boden und in Pflanzen

Jährliches Routinemessprogramm der Landesmessstellen zur Überwachung der Radioaktivität in des Umwelt im Rahmen der IMIS

Umweltbereichs-
orientierte
Aufstellung
Gammaspekro-
metrie
Anzahl der Messungen
Sr-90-Bestimmungen
Anzahl der Messungen
Besondere Messungen

Nahrungsmittel
pflanzl. Herkunft
davon:
Gemüse
Getreide
Obst
Kartoffeln

144


53
67
16
8

14


6
3
3
2

Nahrungsmittel
tier. Herkunft

davon:
Rindfleisch
Schweinefleisch
Kalbfleisch
Geflügel

33


8
18
3
4

 

 

Gesamtnahrung

52

12

Kleinkindernahrung

12

2

 

Kuhmilch

60

12

 

Pflanzen
davon:
Gras
Blätter
Nadeln

15

6
6
3

 

 

Futtermittel
davon:
Bewuchs
Mais
Futtergetreide
Futterkartoffeln

43

10
12
9
12



5


Boden

15

5

25 In-situ-Messungen

Oberflächen-
wasser

24

8

24 Tritium an 6 Orten,
8 Alpha an 2 Orten

Sediment/
Schwebstoffe

24
12

 

 

Trinkwasser

16

6

6 Tritium an 2 Orten
6 Alpha an 2 Orten

Grundwasser

8

4

4 Tritium an 2 Orten
4 Alpha an 2 Orten

Fisch

4

1

 

Abwasser
Klärschlamm

20
20

4
4

je 4 Alpha an 2 Orten

Sickerwasser
Kompost

4
4

4 Tritium an 2 Orten

Importe
davon
Gemüse
Getreide
Obst
Kartoffeln
Rind
Schwein
Kalb
Geflügel
Käse
Futtermittel
Fisch

25

3
2
2
2
2
2
2
2
2
3
3

 

 

Müllverbrennung
Filterasche
Schlacke

6
6

Summe der
Messungen je Messverfahren

547

69

26 Alpha,
38 Tritium,
25 In-Situ

Gesamtsumme
der Messungen
im Routinemess-programm

 

 705

 

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Datenfluss

Die im Rahmen des IMIS ermittelten Daten werden der Zentralstelle des Bundes und somit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit kontinuierlich zur Beurteilung der radiologischen Lage zur Verfügung gestellt. Als Auftraggeber für die Umgebungsüberwachung des Endlagers für radioaktive Abfälle Morsleben erhält das Bundesamt für kerntechnische Entsorgung (BfE) die Untersuchungsergebnisse dieses Messprogrammes.

Die Resultate dieser beiden Messprogramme werden im Internet veröffentlicht und sind damit allen Interessenten zugänglich (siehe https://www.imis.bfs.de/geoportal/ und https://www.bfe.bund.de/DE/ne/endlager/ueberwachung/berichte/berichte_node.html)

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letzte Aktualisierung: 02.05.2019

Ansprechpartner Umweltradioaktivität und Strahlenschutz

Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Fachbereich 1
Fachgebiet 14
Frank Gragert
Reideburger Straße 72
06116 Halle (Saale)

Telefon: +49 345 5704-241
E-Mail an Herrn Gragert