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Klimawandel in Sachsen-Anhalt: Im Jahr 2100 könnte jeder zehnte Tag wärmer als 30 Grad sein

Mit Hitzeschutz-Anzug, exotischem Gemüse wie Gurken oder Radieschen aus dem gekühlten Gewächshaus und lauschigen 41 Grad am Abend – so könnte die 2017 geborene Emilia ihren 80. Geburtstag in Halle (Saale) feiern. Zur gleichen Zeit steht in Magdeburg die Elbe erneut kurz vor dem Austrocknen. Und in Zeitz – von den Einwohnern wegen des mediterranen Klimas mitunter Zeitzilien genannt – geht 2097 für den 17-jährigen Luca ein anstrengendes Klima-Pflichtjahr mit vielen Einsätzen rund um Hitze und Starkregen zu Ende.

Wie sich das Klima in Sachsen-Anhalt bis zum Jahr 2100 entwickeln könnte, hat das Landesamt für Umweltschutz (LAU) anhand aktueller Klimamodelle in der neuen Broschüre „Der Klimawandel vor unserer Haustür“ dargestellt. Betrachtet wurden dabei zwei Szenarien: „Weiter so“, in welchem der Ausstoß an Treibhausgasen ungebremst fortgesetzt wird, und „CO2-reduziert“, in welchem die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015 eingehalten werden und der Anstieg der weltweiten Temperatur auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt wird.

Im Szenario „Weiter so“ wird sich das Klima in Sachsen-Anhalt in den Jahren 2071 bis 2100 im Vergleich zum Zeitraum 1961 bis 1990 drastisch verändern:

  • Die Durchschnittstemperatur steigt um 4,2 Grad Celsius. Dadurch liegt Magdeburg klimamäßig im heutigen Bereich von Palermo auf Sizilien.
  • Die Zahl der Eistage, also Tage mit Dauerfrost, sinkt von 26 auf 4 pro Jahr.
  • Dagegen nimmt die Zahl der Hitzetage mit mindestens 30 Grad Celsius von 6 auf 38 und die Zahl der Sommertage mit mindestens 25 Grad Celsius von 32 auf 91 zu.
  • Im Sommer gibt es erheblich weniger Regen und auch längere Trockenphasen; die Niederschlagsmenge pro Jahr insgesamt steigt dagegen durch mehr Regen im Frühling und Winter leicht an.
  • Die Wasserbilanz, also die Differenz aus Niederschlag und Verdunstung, fällt deutlich negativer aus – von heute minus 83 auf minus 211 Liter je Quadratmeter.
  • Es gibt deutlich mehr und zugleich kräftigere Starkregenereignisse.

Auch im Szenario „CO2-reduziert“ ändert sich das Klima, wenn auch bei weitem nicht so dramatisch: Der deutlich geringere Anstieg der Durchschnittstemperatur bis zum Jahr 2100 um 1,6 Grad Celsius (Magdeburg liegt dann etwa auf dem heutigen Klimaniveau von Paris) lässt die Zahl der Eistage weniger stark sinken, von 26 auf 14. Auch die Zunahme von Sommertagen (von 32 auf 52) und Hitzetagen (von 6 auf 14) ist deutlich moderater – ebenso die Änderungen bei Niederschlagsmenge und -verteilung, Starkregenrisiko und Wasserbilanz.

Für Umwelt- und Klimaschutzminister Prof. Dr. Armin Willingmann sind die Zahlen „ein alarmierendes Votum für einen forcierten Klimaschutz“ im Land und weltweit: „Das Landesamt liefert interessante Daten dazu, wie sich das Klima in unserer Region bis zum Ende des Jahrhunderts entwickeln könnte. Hier wird anschaulich vermittelt, was es für die Menschen in Sachsen-Anhalt sowie für Landwirtschaft, Tourismus oder das Leben in der Stadt bedeuten kann, wenn wir beim CO2-Ausstoß nicht konsequent gegensteuern. Das Fazit: Auch vor unserer eigenen Haustür könnten die Folgen des menschengemachten Klimawandels dramatisch sein. Deshalb müssen wir alle den Ausstoß an Treibhausgasen wie CO2 oder Methan verringern und die Anpassung an bereits jetzt unumkehrbare Folgen des Klimawandels stärken, sei es in Form von Hitzeaktionsplänen in den Kommunen oder von Eigenvorsorge gegen Starkregen.“