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Wiederherstellung und Pflege von artenreichen Offenland-LRT auf pflegebedürftigen Splitter- und Restflächen

Ein wesentlicher Anteil gefährdeter Offenland-Lebensraumtypen (LRT) und -biotope ist auf eine extensive landwirtschaftliche Nutzung angewiesen. Diese Lebensräume und Biotope weisen meist sowohl einen großen Artenreichtum hinsichtlich Flora und Fauna als auch einen hohen Anteil an gefährdeten Arten auf.
Seltenheit und Gefährdung dieser LRT und Biotope resultieren teilweise daraus, dass sie natürlicher Weise auf seltenen Sonderstandorten vorkommen. Demgegenüber sind früher häufigere LRT des Offenlandes außerhalb von Grenzertragsstandorten  vielfach durch Intensivierung landwirtschaftlicher Nutzung, z. B. in Zusammenhang mit Entwässerung ansonsten nur eingeschränkt nutzbarer Feucht- und Nassstandorte, Aufdüngung magerer Standorte und höherer Nutzungsfrequenz von Wiesen und Weiden, selten geworden. Die Intensivierung dazu geeigneter Landwirtschaftsflächen ist heute weitgehend abgeschlossen. In jüngster Vergangenheit und aktuell stellt die Aufgabe der Nutzung nicht intensivierbarer Grenzertragsstandorte eine Hauptgefährdung der dort vorhandenen Offenlandvegetation und daran gebundener Tierarten dar. Wenn diese Entwicklung  sich weiter fortsetzt, besteht die Gefahr eines weiteren, deutlichen Verlustes an hoch spezialisierten Pflanzen- und Tierarten und damit ein Verlust an biologischer Diversität in Sachsen-Anhalt. Eine solche Entwicklung stünde den Zielen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) und den Biodiversitätsstrategien des Bundes und des Landes entgegen.

Dem möchte das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie mit der Auflage von zwei Fördermaßnahmen im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) begegnen:

  • Nicht-produktiver investiver Naturschutz (FP 7506)
    Quelle: Elektronische Antragstellung in Sachsen-Anhalt ELAISA
  • Pflege wertvoller Splitterflächen – Vertragsnaturschutz (FP 7508)

Die Förderrichtlinie „Nicht-produktiver investiver Naturschutz“ ermöglicht u. a. die Instandsetzung und Wiederherstellung verbrachter und verbuschter Offenlandflächen sowie im Einzelfall auch die Bereitstellung spezieller technischer Ausrüstung für Weideflächen. Die Zuwendung erfolgt als nicht rückzahlbares Darlehen in Höhe von bis zu 100 % der für die Maßnahme erforderlichen Ausgaben.

Die dauerhafte Pflege entsprechender Flächen kann über die Richtlinie „Pflege wertvoller Splitterflächen – Vertragsnaturschutz“ finanziert werden. Sie kann nach Managementvorgaben der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Landkreises z. B. durch regelmäßige naturschutzgerechte Mahd oder extensive Beweidung erfolgen. Bei anhaltenden Sukzessionstendenzen sind ergänzende Pflegearbeiten erforderlich. Die Fördersätze sind von der Erschwernis der Bewirtschaftung auf der jeweiligen Fläche abhängig, es werden pauschal drei Erschwernisgrade anhand von Flächengröße, Hangneigung und spezifischen Bewirtschaftungshindernissen gestaffelt honoriert.

Um diese Fördermaßnahmen vorzugsweise auf Flächen zu lenken, die für den Naturschutz in höchstem Maße wertvoll sind, wurde im Rahmen eines ELER-geförderten Projektes1 durch die Hochschule Anhalt in Zusammenarbeit mit den Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise, ehrenamtlichen Experten vor Ort und dem Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt (LAU) eine Kulisse so genannter „Splitterflächen“ ermittelt. Dabei handelt es sich um Flächen, die sowohl Vorkommen naturschutzfachlich besonders wertgebender Arten sowie pflegebedürftiger FFH-Lebensraumtypen als auch Bewirtschaftungserschwernisse aufweisen. Diese Kulisse resultiert aus dem gegenwärtigen Kenntnisstand der Verbreitung betreffender Arten und Lebensräume. Sie ist nicht abschließend. Eine Aktualisierung wird fortlaufend durch das LAU erfolgen. Hinweise zu möglichen weiteren Vorkommen können dem LAU unter Angabe von Flächenmerkmalen (z. B. Steilheit, Mahdhindernisse) und, sofern diese vorliegen, auch Artvorkommen zur Prüfung und ggf. Aufnahme in die Kulisse übergeben werden.

Die Förderung für das Programm „Pflege wertvoller Splitterflächen – Vertragsnaturschutz“ ist auf die Splitterflächenkulisse beschränkt. Die Flächen dieser Kulisse sind aus Sicht der Hochschule Anhalt wie auch des LAU besonders geeignet, zur Erhaltung der Artenvielfalt beizutragen und damit die wesentlichste Zielstellung der Fördermaßnahmen umzusetzen. Es ist geplant, zeitnah Ergänzungen um Flächen vorzunehmen, die einen herausragenden naturschutzfachlichen Wert sowie hohe oder sehr hohe Erschwernisse hinsichtlich bestehender Nutzungs- und Pflegemöglichkeiten aufweisen und deren gegenwärtige Förderung nach der Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung freiwilliger Naturschutzleistungen (FNL-Richtlinie) 2020 oder 2021 ausläuft. Weitere Ergänzungen bedürfen einer Überprüfung betreffender Flächen und sollen zur Antragstellung ab 2021 erfolgen.

Die Splitterflächenkulisse ist als Shape-File frei verfügbar zum Download (zip-Ordner 182 KB, nicht barrierefrei) bereitgestellt. Dafür muss der Nutzer über GIS-Kenntnisse verfügen. Die GIS-Software dazu ist kostenlos im Internet erhältlich (zum Beispiel unter QuantumGIS). Außerdem finden Sie hier (pdf 42 KB, nicht barrierefrei) die Legende zur Attributtabelle. 

1ELER-gefördertes Projekt: Quelle Hochschule Anhalt (Bernburg)

    

Letzte Aktualisierung: 16.06.2020

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Natura 2000 / Schutzgebietssystem und Umsetzung

Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Reideburger Straße 47
06116 Halle (Saale)

Flächenauswahl, -Kulisse:

Herr Urs Georg Jäger
Tel.: +49 345 5704-664
E-Mail: Urs.jaeger(at)lau.mlu.sachsen-anhalt.de

Frau Antje Rößler
Tel.: +49 345 5704-361
E-Mail: Antje.roessler(at)lau.mlu.sachsen-anhalt.de