Wolfsmonitoring in Sachsen-Anhalt

Aufnahme einer Wolfslosung

Um die Ausbreitung und den Populationsstatus der Wölfe in Sachsen-Anhalt zu dokumentieren und der Berichtspflicht gegenüber der Europäischen Kommission (gemäß Artikel 11 der FFH-Richtlinie über die Bestandssituation und den Erhaltungszustand des Wolfes) nachzukommen, wird ein flächendeckendes Monitoring in Sachsen-Anhalt durchgeführt.

Zum Melden von Wolfssichtungen verwenden Sie bitte das Online-Formular auf der rechten Seite.
Wenn es Ihnen möglich war, ein Foto oder Video der Sichtung zu machen oder wenn Sie andere Wolfshinweise, wie Losungen, Spuren oder Risse melden möchten, erreichen Sie uns unter Kontakt.

Monitoringberichte

2017/2018 (13 MB)

2016/2017 (15,7 MB)

2015/2016 (9,5 MB)

2014/2015 (5,2 MB)

2013/2014 (7,3 MB)

2012/2013 (4,1 MB)

1. Was ist Monitoring?

Dokumentation einer Wolfsspur

Unter Monitoring versteht man die wissenschaftliche Erfassung verschiedener Daten zur Ausbreitung einer Tierart. Im Wolfsmonitoring wird zwischen aktivem und passivem Monitoring unterschieden. Das passive Monitoring findet kontinuierlich auf der gesamten Landesfläche statt. Dabei werden alle anfallende Beobachtungen und Hinweise (ohne eine gezielte Hinweissuche im Gelände) erfasst, überprüft und bewertet.

Das aktive Monitoring findet auf bekannten, vom Wolf territorial besiedelten Flächen und in Verdachtsgebieten statt, wo eine permanente Besiedlung vermutet wird. Dabei wird eine gezielte Hinweissuche im Gelände durchgeführt, um aussagekräftige Informationen über das jeweilige Vorkommen zu erhalten.

Bei der Datenerfassung für das Monitoring in Sachsen-Anhalt kommen verschiedene Methoden zum Einsatz:

  • Regelmäßige Geländebegehung mit Hinweisaufnahme
  • Einsatz von Wildkameras unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Regeln in § 48b LJagdG Landesnorm Sachsen-Anhalt
  • Genetische Untersuchung von Proben durch externe Institute
  • Nahrungsanalyse
Wildkamera

2. Woran erkenne ich eine Wolfsspur?

Doppelabdruck eines Wolfes
Wolfsspur im geschnürten Trab

Generell ist die Unterscheidung zwischen einer Hunde- und einer Wolfsspur schwierig und am Einzelabdruck unmöglich. Nach den international angewandten Monitoringstandards ist eine Wolfsspur nur im geschnürten Trab nachzuweisen. Diese Gangart wird von vielen Wildtierarten angewandt und ermöglicht eine relativ hohe Geschwindigkeit bei geringem Energieaufwand. Dabei tritt das Tier mit der etwas kleineren Hinterpfote exakt in den Abdruck der größeren Vorderpfote. Somit entsteht ein Spurverlauf mit Doppelabdrücken, die schnurgerade, wie an einer Perlenkette aufgereiht sind.

3. Woran erkenne ich Wolfskot?

Der Kot von Wildtieren wird fachbezogen als Losung bezeichnet. Charakteristisch für eine Wolfslosung ist ein hoher Anteil an enthaltenen Tierhaaren und Knochenresten. Außerdem markieren Wölfe ihre Territorien mit Losungen und platzieren diese oftmals an oder auf Wegen, bevorzugt an Kreuzungen und auf Erhöhungen. Auch am Geruch lässt sich eine Wolfslosung von Hundekot unterscheiden.

Die Bewertung inwieweit es sich bei einem Losungsfund um Wölfe handeln kann, basiert auf den international angewandten Monitoringstandards.

Wolfslosung
Wolfslosung
Wolfslosung
Wolfslosung

4. Wie verhalte ich mich bei einer Wolfssichtung?

Einem wilden Wolf zu begegnen ist äußerst selten, kann aber mit der voranschreitenden Ausbreitung der Wölfe in Deutschland häufiger werden. In der Regel sind Wölfe dämmerungs- und nachtaktiv, wodurch ein Zusammentreffen mit Menschen generell nicht sehr wahrscheinlich, aber möglich ist. Man sollte nicht auf den Wolf zugehen und darf ihn auf keinen Fall anlocken oder füttern. Dadurch ist vor allem bei jungen Tieren die Gefahr einer Gewöhnung an den Menschen sehr groß, wodurch sie ihre Scheu verlieren können. Sichtungen von Wölfen sollten außerdem unbedingt immer an das Wolfskompetenzzentrum Iden gemeldet werden. Prägen Sie sich dafür, wenn möglich das Aussehen des Tieres genau ein oder versuchen ein Foto zu machen, wenn es die Situation zulässt.

Im Folgenden haben wir eine Übersicht erstellt, wie man sich in verschiedenen Situationen verhalten sollte, wenn man auf einen Wolf trifft:

Wie soll ich mich verhalten,

  •  wenn ich zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs bin und einen Wolf sehe?

Ruhig bleiben, das Tier im Auge behalten und weiter gehen.

  • wenn ich im Auto/ Traktor sitze und einen Wolf sehe?

Ruhig bleiben, auf den Straßenverkehr achten, das Tier im Auge behalten und weiterfahren.

  • wenn ich zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs bin und der Wolf mich beobachtet?

Ruhig bleiben, stehen bleiben und dem Wolf Zeit geben, sich zurückzuziehen. Wenn man sich unwohl fühlt oder Angst hat, kann man auch in die Hände klatschen und laut rufen.

  • wenn ich im Auto/ Traktor sitze und der Wolf mich beobachtet?

Ruhig bleiben, auf den Straßenverkehr achten und weiterfahren.
Wenn das Tier auf der Straße steht, sollte man sich so verhalten, wie bei jedem anderen Wildtier auch. Kommt es zum Zusammenstoß, sollte man, wie bei jedem Wildunfall, die Polizei verständigen und am Unfallort auf diese warten.

  • wenn ich zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs bin und der Wolf auf mich zukommt?

Vor allem bei jungen Tieren kann es vorkommen, dass sie sich aus Neugierde einem Menschen nähern. Dieses Verhalten ist in der Regel keinesfalls artfremd oder auffällig, der Fall sollte aber an das WZI gemeldet werden. In einem solchen Fall, sollte man Ruhe bewahren,  stehen bleiben und das Tier ansprechen. Wenn es sich daraufhin nicht zurückzieht, kann man in die Hände klatschen und laut rufen. 

  • wenn ich im Auto/ Traktor sitze und der Wolf auf mich zukommt?

Befindet sich ein Mensch in einem Fahrzeug, nimmt der Wolf den Menschen selbst gar nicht wahr. Nähert sich ein oder mehrere Wölfe dem Gefährt handelt es sich auch hier keinesfalls um ein auffälliges oder artuntypisches Verhalten. Zumeist sind es auch hier Jungwölfe, die noch nicht viele Erfahrungen mit Menschen bzw. Auto/Traktor gemacht haben und neugierig sind. In einem solchen Fall, sollte man ruhig bleiben, auf den Verkehr achten und weiter fahren. Befindet man sich mit seinem Gefährt nicht in Bewegung, sollte man das Tier mit Hupen oder lauten Rufen vertreiben.

  • wenn ich zu Fuß oder mit dem Fahrrad mit meinem Hund unterwegs bin und einem Wolf begegne?

Vielerorts gilt in Sachsen-Anhalt in Wäldern und vor allem Naturschutzgebieten eine Leinenpflicht. Darüber hinaus ist es laut§ 28 LWaldG Landesnorm Sachsen-Anhalt verboten, „Hunde in der freien Landschaft einschließlich angrenzender öffentlichen Straßen unbeaufsichtigt laufen zu lassen. Hunde sind in der Zeit vom 1.März bis 15.Juli anzuleinen.“  Hunde sollten grundsätzlich in Wolfsgebieten angeleint sein. Es kann vorkommen, dass sich freilebende Wölfe für ihren Artgenossen, den Hund, interessieren. Treffen Sie zusammen mit Ihrem Hund auf einen Wolf, sind Sie der größte Schutz für Ihren Hund. Denn der Wolf interessiert sich zwar für seinen domestizierten Artgenossen, hat aber trotzdem seine natürliche Scheu vor Menschen nicht abgelegt. Dementsprechend besteht für Ihren Hund keine Gefahr, wenn er sich in Ihrer Nähe aufhält. Somit kann man die gleichen Verhaltenstipps empfehlen wie in 1, 3 und 5 erläutert.

5. Ist mein Hund auf Spaziergängen im Wolfsgebiet gefährdet?

Hunde sollten in Wolfsgebieten grundsätzlich an der Leine gehalten werden. Darüber hinaus ist es laut § 28 LWaldG Landesnorm Sachsen-Anhalt verboten, „Hunde in der freien Landschaft einschließlich angrenzender öffentlichen Straßen unbeaufsichtigt laufen zu lassen. Hunde sind in der Zeit vom 1.März bis 15.Juli anzuleinen.“ Es ist möglich, dass sich freilebende Wölfe für ihren Artgenossen, den Hund, interessieren und ihn womöglich als Eindringling in ihrem Territorium ansehen. Daher ist es wichtig, dass Hunde unter der direkten Einwirkung des Menschen bleiben.

6. Wo kann ich Wolfshinweise melden?

Wolfssichtungen, Losungs- und Spurenfunde sollten immer an das Wolfskompetenzzentrum direkt gemeldet werden. Dies ist zum Beispiel mit unseren Online-Formulare, welche Sie auf der rechten Seite in der Kontextspalte finden, möglich. Wenn Sie über Fotos zu Ihrer Meldung verfügen, senden Sie diese bitte mit einem Vermerk extra an unsere E-Mail-Adresse.

Telefonisch können Sie Ihre Meldung immer während der gängigen Bürozeiten beim WZI durchgeben. Außerdem ist es möglich, Meldungen über unsere E-Mail-Adresse zu machen.

Alle erhobenen Daten werden unter Berücksichtigung des Daten- und Personenschutzes erfasst und ausschließlich für eventuelle Rückfragen aufbewahrt. Zugesendete Fotos werden nur zum Zweck der Beweispflicht in die Datenbank aufgenommen. Es werden keine Daten an Dritte weitergegeben und Bildrechte bleiben beim Eigentümer.

7. Was passiert mit meinen gemeldeten Daten?

Daten, die für das Monitoring relevant sind, werden in die Datenbank aufgenommen und nach den international angewandten Kriterien bewertet. Anschließend fließen sie in die Auswertung des Montoringjahres mit ein und stellen einen wichtigen Beitrag zur Beurteilung des Wolfsvorkommens in Sachsen-Anhalt dar.

Alle erhobenen Daten werden unter Berücksichtigung des Daten- und Personenschutzes erfasst und ausschließlich für eventuelle Rückfragen aufbewahrt. Zugesendete Fotos werden nur zum Zweck der Beweispflicht in die Datenbank aufgenommen. Es werden keine Daten an Dritte weitergegeben und Bildrechte bleiben beim Eigentümer.

8. Gibt es in Sachsen-Anhalt Wolf-Hund-Mischlinge?

Kreuzungen zwischen wildlebenden Wölfen und Haushunden, auch ‘Hybriden‘ genannt, sind bisher in Deutschland nur in zwei Fällen aufgetreten; Im Herbst 2003 in Sachsen und im Oktober 2017 in Thüringen.  In Sachsen-Anhalt sind bisher keine Wolf-Hund-Mischlinge in Erscheinung getreten.

Verpaarungen zwischen Wölfen und Haushunden lassen sich zum einen durch genetische Untersuchungen feststellen. Zum anderen lassen sie sich anhand von morphologischen und physiologischen Merkmalen von Wölfen unterscheiden. Somit ist ein gut funktionierendes und flächendeckendes Wolfsmonitoring unerlässlich, um etwaige Kreuzungen frühzeitig aufzudecken. Eine sehr wichtige Rolle spielen dabei Meldungen aus der Bevölkerung.

In welcher Art und Weise bei einem Nachweis von Wolfshybriden in Sachsen-Anhalt vorgegangen wird, ist in der ‘Leitlinie Wolf‘ festgehalten. Weitere Informationen zum Umgang mit Hybriden und zu den bisherigen Fällen in Deutschland finden Sie auf der Internetseite der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (kurz: DBBW).

Vorläufige Ergebnisse aus dem Monitoringjahr 2017/2018

In der folgenden Tabelle sind die bisherigen Monitoringergebnisse aus dem Monitoringjahr 2017/2018 dargestellt. Erläuterungen zu den unterschiedlichen 'Status'- Kategorien finden Sie unter der Tabelle.

Territorium Status
Altengrabower Heide Rudel ohne Reproduktion
Gartow Paar (grenzübergreifend)
Klietzer Heide Rudel
Zichtauer und Klötzer Forst Rudel
Colbitz-Letzlinger Heide Rudel
Haldensleben Status unklar
Parchen-Fienerode Rudel
Möckern Rudel
Göritz-Klepzig Rudel
Hoher Fläming Rudel
Coswig Status unklar
Oranienbaumer Heide Rudel
Glücksburger Heide Rudel
Annaburger Heide Rudel
Altmärkische Höhe Status unklar
Mehmker Forst Rudel ohne Reproduktion
Dübener Heide Paar (grenzübergreifend)
Harz Status unklar
Stresower Heide Status unklar
Melliner Forst trotz Monitoring nicht bestätigt
Drömling trotz Monitoring nicht bestätigt
Flechtinger Höhenzug trotz Monitoring nicht bestätigt

Rudel:
Bestätigtes Elternpaar mit Welpennachweis.

Bewertung noch nicht abgeschlossen:
Ergebnisse der DNA- Analyse und anschließende Auswertung noch ausstehend.

Suchraum mit unklarem Status:
Kontinuierliche Wolfsnachweise, die auf eine territoriale Ansiedlung deuten, die Daten aber für eine konkrete Statusdefinition noch unzureichend sind.

Trotz Monitoring nicht bestätigt:
In diesen Suchräumen konnten trotz intensivem Monitoring keine Hinweise auf territoriale Ansiedlungen festgestellt werden.

Letzte Aktualisierung: 03.12.2018

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Kontakt

Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI)
Lindenstraße 18, 39606 Iden
Herr Berbig (Leitung)
Tel.: +49 3939 06-481
E-Mail: an WZI
Notfallnummer:
+ 49 162 3133949