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Aland-Elbe-Niederung

Größe: 17.838,8 ha
Codierung: LSG0029SDL
Landkreis: Stendal (SDL)
Verordnung: VO Reg.-Beauftr. Magdeburg v. 28.9.1990 (Amtsbl. F. d. Reg.-Bez. MD.-3(1994)5 v. 16.5.1994) (487 KB, nicht barrierefrei)
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Gebietsbeschreibung
Das LSG umfaßt den linksseitigen, nördlichen Teil der Überflutungsaue der Elbe, die hier teilweise als NSG ausgewiesen ist, und den östlichen Teil der Niederung ihres Nebenflusses Aland. Mit dem LSG werden weite Teile der Landschaftseinheit Werbener Elbetal erfaßt. Außerdem gehört der nordöstliche Randbereich der Landschaftseinheit Westliche Altmarkplatten zum Schutzgebiet.
Die flache Elbeaue wird durch große Grünlandflächen geprägt, die als Rinderweide und durch Mahd genutzt werden. Darüber hinaus bestimmen zahlreiche Flutmulden und Altwasser, aber auch Feuchtgebüsche, Baumgruppen und Einzelbäume das Landschaftsbild. Ökologisch wertvolle Teile dieser Aue sind bei Beuster als NSG gesichert. Ein weiterer Teil im Elbeknie in der Gemarkung Aulosen (Garbe), der einen der letzten größeren Hartholzauenwälder des Elbetals umfaßt, ist ebenfalls als NSG ausgewiesen. Charakteristisch sind in bestimmten Abschnitten die großflächigen Qualmwasserbereiche hinter dem Deich.
Der Flußlauf des Aland unterhalb Seehausen ist zwar an einigen Stellen sehr schmal eingedeicht, zeichnet sich aber durch eine naturnahe Fluß- und Auengliederung aus. Prall- und Gleithangbildungen, Schlammbänke, Altwasser, Kolke, Röhrichte, Flutrinnen tragen zur Strukturvielfalt des Gebietes bei. Der Bereich zwischen den Elbe- und Alanddeichen ist vorwiegend ackerbaulich geprägt, nur auf inselartigen Dünenerhöhungen stocken arme Kiefernforste. Zwischen Seehausen und Wittenberge quert die B 189 mit der großen Elbebrücke das Gebiet und zerschneidet die Weite der Landschaft.

Landschafts- und Nutzungsgeschichte
Die ältesten Zeugnisse einer Ackerbaukultur in der Altmark stammen von der Alttiefstichkeramik. Siedlungsspuren der Jungsteinzeit sind im LSG nur nördlich von Schönberg und entlang des Allerarmes zwischen Geestgottberg und Beuster vorhanden, die Elbe- und Alandniederungen waren demnach weitestgehend unbesiedelt. Dies änderte sich auch in den folgenden Perioden nicht. Während die jungsteinzeitliche Besiedlung entlang dem Zehrengraben recht dicht war, nahm sie dort in der Bronzezeit zunächst ab und verdichtete sich in der Eisenzeit bei Groß Garz und Krüden am Südrand des LSG. Eine Siedlungskammer kristallisierte sich während der Eisenzeit nördlich von Schönberg heraus, die während der römischen Kaiserzeit erhalten blieb und dort in einer Befestigung ihren politischen und wirtschaftlichen Mittelpunkt besaß. Auch die Siedlungskammer bei Krüden blieb bis in die römischen Kaiserzeit hinein erhalten. Eine Siedlung der späten Eisenzeit und römischen Kaiserzeit ist auch bei Wahrenberg belegt. Bildete die Aller bislang die Grenze der vorgeschichtlichen Besiedlung, so wurde diese mit der Siedlung bei Wahrenberg erstmals nach Norden überschritten. Überschwemmungsschichten auf diesem Wohnplatz belegen, wie gefährlich das Siedeln in der Niederung war. Erst im Mittelalter wurde das Gebiet zwischen Aller und Elbe stärker als Siedlungsraum genutzt, und es wurden nun auch nördlich und östlich von Beuster Siedlungen gegründet. Aus der Zeit der slawischen Besiedlung der Altmark stammt ein gegenüber von Scharpenhufe am Aland errichteter Burgwall.
Im 12. Jahrhundert ließen sich holländische Kolonisten in der Wischeniederung nieder und gründeten Seehausen, das 1151 das Stadtrecht verliehen bekam. Etwa um 1005 wurde gegenüber der Havelmündung die heutige Kleinstadt Werben als Uferburg gegründet, deren Bewohner durch Ackerwirtschaft, Handwerk und Fischerei zu bescheidenem Wohlstand kamen und die über eine Elbefähre Verbindung zur rechtsseitig gelegenen Stadt Havelberg hatten.
Katastrophale Überflutungen ereigneten sich 1771 und 1909. Etwa ab 1180 wurden zwar erste Ringdeiche um die Ansiedlungen angelegt, die dann später im Mittelalter verbunden wurden. Ein systematischer Deichbau als konzipierte Hochwasserschutzanlage begann aber erst mit der Existenz des preußischen Staates. Neben den Maßnahmen zum Hochwasserschutz setzten auch Maßnahmen zum Ausbau von Wasserverkehrswegen ein. Um 1550 begann man, Verbindungskanäle zu bauen. Die Kleinstaaterei in Deutschland mit der Vielzahl politischer Grenzen bedingte, daß an der Elbe selbst erst nach dem Wiener Kongreß 1815 größere Maßnahmen ”zur Beseitigung von Hindernissen” durchgeführt wurden. In einer ”Elbschifffahrt-Additional-Akte” von 1844 wurden Maßnahmen zur Erreichung einer Tiefe in der Elbe von drei rheinischen Fuß (= 0,94 m) vereinbart. Mit einem Reichsgesetz von 1911 wurde dann eine Niedrigwasserregulierung der Elbe unterhalb der Saalemündung von 1,25 m festgelegt.
Mit dem Deichbau erreichte man das Ziel, das großflächige Überflutungsgrünland intensiver nutzen zu können. Ab 1958/60 wurde durch eine großangelegte Meliorationskampagne das ”Notstandsgebiet” Wische entwässert. Eine leistungsfähige Viehwirtschaft mit stabiler Futtergrundlage wurde zu Lasten der ökologischen Bedeutung der Elbeaue entwickelt.

Geologische Entstehung, Boden, Hydrographie, Klima
Das LSG gehört zur Elbetalniederung. Es umfaßt einen Teil des hier von Ostsüdost nach Westnordwest verlaufenden Urstromtales der Elbe, welches den Schmelzwässern des Warthestadiums der Saalevereisung und der Weichselvereisung als Abflußbahn diente.
Der oberflächennahe Untergrund besteht aus weichselkaltzeitlichen Schmelzwassersanden. Sie sind im Mittel 20 m mächtig. In diesen Talsandkomplex wurden durch Erosion im Holozän bis zu 7 m tiefe Rinnen eingeschnitten, die erneut mit sandigen bis kiesigen Sedimenten, in Altarmen aber auch mit Gyttjen, gefüllt wurden. Bedeckt wird die gesamte Fläche von einer lückenlos verbreiteten holozänen Auenlehmdecke (”Elbschlick”). Die Mächtigkeit der Schlickdecke als Stillwassersediment alter Elbearme und als Überflutungssediment mit teilweiser Erosion älterer Ablagerungen kann von wenigen Dezimetern bis sechs Meter schwanken.
Das LSG liegt in der Bodenlandschaft der Wische und nördlichen Elbeaue. In weiten Bereichen der Aue dominieren Pseudogley-Vegas, Pseudogley-Tschernitzen und Gley-Pseudogleye aus tonigen Auensubstraten (Lehm über Ton, toniger Lehm bis Ton). In Rinnen kommen Gley-Vegas aus Auenlehm und auf Inseln Vegas aus Auenlehm sowie Gleye bis Paternien aus lehmigem Auensand über Sand vor.
Der Grundwasserspiegel weist starke jahreszeitliche Schwankungen auf, die enge Beziehungen zur Wasserführung der Vorfluter besitzen. Im Mittel liegt er 2-3 m unter Gelände. In Extremsituationen kann er auf 6-7 m unter Gelände abfallen bzw. geländegleich ansteigen (Qualmwasser bei sandigen Sedimenten).
Die hydrologischen Bedingungen werden im LSG von Elbe und Aland bestimmt. Die ehemals großflächigen Überflutungen sind durch die Deichbautätigkeit des Menschen auf schmale Gebiete (besonders am Aland) begrenzt, so daß allenfalls Qualmwasserbildungen die innendeichs gelegenen Flächen beeinflussen können. So wurde auch die gesamte ”Garbeniederung” im Elbeknie vor der Landesgrenze völlig ausgedeicht. Größere Staubauwerke (zum Beispiel Abschlußbauwerk am Aland) verhindern auch den gegenseitigen Rückstau der beiden Flüsse im Mündungsgebiet des Aland. Ein Vergleich der Stromkarten der Elbe bei Wahrenberg zeigt die Veränderungen der Struktur der Elbe in der Zeit von 1866 bis 1916 zeigt die Veränderungen der Struktur des Flusses, die im Interesse des Hochwasserschutzes und der Binnenschiffahrt durchgeführt worden sind: Stromteilungen und Inseln verschwanden, Altwasser wurden abgetrennt und durch den Buhnenbau die Mäandrierung des Flusses verhindert. In der Aue sind zahlreiche Altwasser vorhanden, die jedoch zunehmend verschlammen und verlanden. Im Interesse der Bewirtschaftung der Wiesen wurden Wiesengräben zur schnellen Entwässerung angelegt.
Klimatisch liegt das LSG im Übergangsbereich zwischen atlantischem Seeklima und binnenländischem Kontinentalklima, wird aber kleinklimatisch von der Elbeaue als Kaltluftentstehungsgebiet geprägt, das sich unter anderem durch Nebelhäufigkeit auszeichnet.

Pflanzen- und Tierwelt
Wie in der gesamten Elbeaue ist auch im LSG der Hartholzauenwald (Eichen-Ulmen-Auenwald), abgelöst vom Weichholzauenwald in Ufernähe, die potentiell natürliche Vegetation.
Der Hartholzauenwald ist aber rezent nur noch im bereits beschriebenen NSG „Garbe-Alandniederung“ vorhanden. Einzelne Solitäreichen sind Relikte, Weißdorn-Schlehen-Gebüsche auf geringfügig höheren Standorten sind sozusagen Sukzessionsstadien. Der Weichholzauenwald existiert oftmals nur in sehr kleinen Resten als Silberweiden-Gruppen oder Mandel- und Purpurweidengebüsche, vermischt mit Korb- und Bruch-Weide. Lediglich am Unterlauf des Aland, insbesondere nahe des Ortes Wanzer, treten größere Bestände alter Silber- und Bruch-Weiden- sowie Mandelweiden-Gebüsche auf. Das Elbeufer wird von Hochstauden- und anuellen Uferfluren, zum Beispiel der Spitzkletten-Uferflur, gesäumt. Die Alandufer sind mit Rohrglanzgras- und Wasserschwaden-Röhricht bestanden. Stellenweise finden sich auch Seggenbestände aus Ufer-, Steif-, Schlank- und Sumpf-Segge. An den flachen Ufern der Altwasser wachsen kleinere Röhrichte aus Schilf, mitunter auch Kalmus, Schmalblättrigem Rohrkolben, Teichsimse, Wasser-Sumpfkresse, Breitblättrigem Merk und Schwanenblume. Giftiger Hahnenfuß, Schwarzfrüchtiger Zweizahn und Wasserpfeffer kommen an den schlammigen Stellen vor. Das Grünland der Elbeaue ist durch die langjährige intensive Beweidung zu artenarmem Wirtschaftsgrünland degradiert. In feuchteren Senken finden sich aber auch Rasenschmielen-Wiesen, in den Flutrinnen Knickfuchsschwanz-Flutrasen. Auch in der Alandniederung sind die Grünlandbestände recht artenarm. Die Segetalflora auf den in das LSG einbezogenen Feldern ist abhängig von Bewirtschaftungsintensität und Fruchtfolge und weist im wesentlichen nur Arten der Vogelmieren-Windhalm-Gesellschaft auf. Auf einigen Flächen wurde der Acker-Hahenfuß nachgewiesen.
Die Tierwelt des LSG ist entsprechend des vielgestaltigen Habitatangebotes in einer großen Artenvielfalt anzutreffen. Neben den für Auenwälder und Überflutungswiesen typischen Säugerarten sind auch Elbebiber und Fischotter wieder in diesem Elbeabschnitt festgestellt worden. Die Vogelwelt weist das für naturnahe Flußauen charakteristische artenreiche Spektrum auf. Der Auenwald der Garbe-Alandniederung ist Lebensraum für Greifvogel-, Eulen-, Tauben-, Specht-, Drossel-, Meisen-, Grasmücken-, Baumläufer- und Laubsängerarten sowie für die Nachtigall. Auf dem Grünland sind Kiebitz, Brachvogel, Uferschnepfe und Bekassine neben Feldlerche, Schafstelze, Braunkehlchen und Feldschwirl typische Brutvögel. Auch Brandgans und Austernfischer kommen vereinzelt vor. Für die in der Umgebung brütenden Weißstörche ist die Elbe-Alandniederung ein wichtiger Nahrungsraum. Mit 19 Horstpaaren (1998) ist Wahrenberg das storchenreichste Dorf in Sachsen-Anhalt. Auf der nördlichen Elbeseite befindet sich mit Rühstädt der mit über 30 Brutpaaren storchenreichste Ort Deutschlands. Zu den Durchzugszeiten weilen große Schwärme nordischer Saat- und Bleßgänse sowie Sing- und Zwergschwäne, aber auch Kraniche im Gebiet. Die vielen Gewässer bieten Enten, Tauchern, Rallen und anderen Wasservögeln Brutraum. Sowohl der das LSG begrenzende Elbeabschnitt als auch der Aland sind fischartenreiche Gewässer. Aktuelle Erfassungen brachten Nachweise von bis zu 25 Arten, darunter mit Rapfen, Zope, Quappe, Hasel und Döbel in der Elbe sowie Steinbeißer und Schlammpeitzger im Aland auch landesweit gefährdete Arten. Das LSG ist Lebensraum einer artenreichen Insektenfauna, insbesondere der an Feuchtgebiete gebundenen Libellen, so auch der beiden erst in jüngster Zeit auftretenden Arten Asiatische Keiljungfer und Südliche Mosaikjungfer.

Entwicklungsziele
Die Erhaltung und die Entwicklung der natürlichen Flußauenlandschaft mit ihrer typischen Dynamik sind die wichtigsten Ziele im LSG. Dazu wäre die Wiederanbindung jetzt ausgedeichter Bereiche, zum Beispiel bei Beuster oder der Bereich der Garbe zwischen Wahrenberg und der Landesgrenze, an die aktuelle Überflutungsaue erforderlich.
Aus ökologischer Sicht, zur Erhaltung der Funktion des Gebietes als Lebensraum einer flußauentypischen Tier- und Pflanzenwelt ein Stauregime für das Gesamtgebiet zu konzipieren und umzusetzen, das die Entstehung eines Mosaiks von Wasserflächen und überschwemmungsfreien Geländerücken gewährleistet. In der Zeit von Oktober bis April sollten die Siele grundsätzlich geschlossen bleiben, um optimale Rastbedingungen für Gastvögel zu schaffen. Für das Frühjahr und den Sommer ist eine minimal erforderliche Stauhöhe mit der Landwirtschaft abzustimmen. Die Schließung des Abschlußbauwerkes am Aland bei Elbe-Hochwasser sollte erst geschehen, wenn Teile der Alandniederung überflutet sind.
Die besonders im Bereich um Seehausen begradigten und verbauten Strecken des Aland sind langfristig zu renaturieren beziehungsweise es sind Bedingungen zur freien Laufentwicklung zu schaffen. Die ökologische Durchgängigkeit des Aland ist wieder herzustellen. An Staueinrichtungen, die erhalten bleiben müssen, sind Fischaufstiegshilfen zu errichten.
Die in dem LSG vorhandenen Gehölze, besonders die im Ackerbereich wachsenden, sind langfristig zu erhalten. Ihr Baumartenspektrum ist kontinuierlich einem standortgerechten, naturnahen anzunähern.
Eine extensivere Bewirtschaftung des Grünlandes, insbesondere des Überflutungsgrünlandes, ist im Interesse des Artenschutzes erforderlich, das heißt zur Erhöhung des Anteils blühender Kräuter und zum Schutz der Bodenbrüter. Die Minimierung des Mineraldüngereinsatzes auf dem Grünland ist auch als Beitrag zur Verminderung der Eutrophierung der Altwasser notwendig.

Exkursionsvorschläge
Das LSG kann auf Fußwanderungen durch die Wiesenaue zum Strom erlebt werden. Als Ausgangspunkte für derartige Wanderungen durch die Elbeaue können die Orte Werben, Beuster, Losenrade (mit dem Blick auf die Silhouette von Wittenberge) oder Wahrenberg gewählt werden. Die Alandniederung ist am besten durch eine Wanderung auf dem Deich zu erkunden.
In der altmärkischen, im 12. Jahrhundert gegründeten Kleinstadt Seehausen sind verschiedene Baudenkmale zu besichtigen, wie die Petrikirche als ältestes Baudenkmal der Stadt mit zwei 62 m hohen Türmen, der zweigeschossige Fachwerkbau der Propstei, die Reste der Stadtbefestigung aus dem 15. Jahrhundert und der Backsteinbau der Heiliggeistkapelle.
Von hier aus können auch Kurzwanderungen in die nicht zum LSG gehörende Umgebung von Seehausen, zum Beispiel in die Rossower Berge, unternommen werden.
Weitere Ziele im LSG sind die Orte Werben und Wahrenberg. In Werben an der Elbe können das Elbetor mit dem Heimatmuseum (Ausstellung zur Stadtgeschichte), die Johanniskirche mit Glasmalereien und Grabplatten, das 200 Jahre alte Rathaus und eine spätromanische Kapelle besichtigt werden.
In Wahrenberg, das unmittelbar am Elbeufer liegt, ist eine barocke Kirche mit stattlichem Fachwerkturm bemerkenswert.
Darüber hinaus können vom Gebiet aus auch Fahrten zum gegenüberliegenden Elbeufer unternommen werden, zum Beispiel in die Stadt Wittenberge oder das ”Storchendorf” Rühstädt.

Verschiedenes
Auswirkungen von Wasserbaumaßnahmen auf die Auenstruktur
Die Hochwasserschutzdeiche des Mittelalters bedeuteten noch keine gravierenden Einschränkungen der Auendynamik, da es ständig zu Hinterströmungen oder Deichbrüchen kam. Erst mit dem durchgängigen Deichbau ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die aktive Überflutungsaue im heutigen Regierungsbezirk Magdeburg von 220 000 ha auf 35 000 ha, also auf nur noch 16 % verringert. Damit wurden Gebiete mit auentypischer Flora und Fauna der Stromdynamik entzogen. Der überwiegende Anteil der nun hochwassergeschützten Flächen wurde in Acker umgewandelt.
Innerhalb der verbliebenen Überflutungsaue, also zwischen den Deichen, hatte der Fluß zunächst noch eine gewisse Eigendynamik, die eine Seitenerosion und damit Mäandrierung zuließ. Als aber in den letzten 150 Jahren der Strom den Erfordernissen der sich entwickelnden Schiffahrt angepaßt wurde, erforderte dies besonders eine Niedrigwasserbündelung durch den Bau von Buhnen. Dadurch verschwanden große Strombreiten, Engstellen mit Abbrüchen, mit Weiden bewachsene Sandbänke, Stromteilungen oder Wechsel des Stromstrichs von einem Ufer zum anderen. Die bisher in eine Seitenerosion abgeleitete Kraft des Stromes konnte nach Festlegung des Stromstriches nur noch in die Tiefe wirken und verursacht nunmehr eine Tiefenerosion, die zum Beispiel bei Magdeburg eine Vertiefung der Flußsohle von 1874 bis 1963 um 2,10 m und bei Niegripp um 2,05 m hervorrief. Insgesamt führen also diese Maßnahmen zur Verhinderung der Mäandrierung und der Neubildung von Altarmen und -wassern sowie durch die Eintiefung zu veränderten hydraulischen Beziehungen zum Grundwasser und damit zu einem gestörten Wasserhaushalt der umliegenden Aue.

Letzte Aktualisierung: 07.10.2019

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