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Elsteraue

Größe: 1.400 ha
Codierung: LSG0042BLK
Landkreis: Burgenlandkreis (BLK)
Verordnung: Verordnung des Burgenlandkreises über die Festsetzung des Landschaftsschutzgebietes "Elsteraue" v. 28.06.2004 (Zeitzer Zeitung. - (2004) v. 02.07.2004, S. 9) (605 KB, nicht barrierefrei)
Karte: (2,1 MB, nicht barrierefrei)
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Gebietsbeschreibung
Das LSG erstreckt sich im nordöstlichen Teil des Burgenlandkreises über etwa 10 km von Südwesten nach Nordosten und umfaßt die Talaue der Weißen Elster nördlich der Stadt Zeitz bis zur Landesgrenze zum Freistaat Sachsen bei Profen. Es repräsentiert den südlichen Teil der Landschaftseinheit Weiße- Elster-Tal.
Die Höhendifferenz des Gebietes von zirka 17 m (ca. 148 m über NN im Südosten bei Zeitz und zirka 131 m über NN bei Lützkewitz) ist klein. Somit steht der Weißen Elster auf der Fließstrecke durch das LSG nur ein geringes Gefälle zur Verfügung. Letzteres ist auch die Ursache für den im Gebiet weitgehend unbegradigten und ausgeprägt mäandrierenden Verlauf des Flusses.
Die Weiße Elster hat sich in die Auensedimente eingeschnitten und bildet ein breites Sohlental. Die Aue der Weißen Elster wird im Gebiet im Wesentlichen aus Grünland gebildet, das bisher intensiv genutzt wurde. Teile der Aue sind zu Ackerland umgewandelt worden, so daß diese im LSG bis auf wenige Auengehölze waldfrei ist.
Der landschaftliche Reiz dieses Teils der Elsteraue liegt auf der einen Seite in dem charakteristischen Relief, das durch die sowohl markanten als auch harmonischen Siedlungsansichten von Bornitz, Predel oder Profen noch verstärkt wird. Auf der anderen Seite findet sich ein Äquivalent in dem Mikrorelief der eigentlichen Aue, verursacht durch die zum Teil trocken gefallenen Altwasser, aber insbesondere durch die ausgeprägte Mäandrierung der Weißen Elster von Ostrau bis Profen.

Landschafts- und Nutzungsgeschichte
Auenlandschaften mit ihren alljährlichen Hochwasserereignissen wurden in der frühen Siedlungszeit nur zögerlich besiedelt, so auch die Elsteraue. Durch die Überschwemmungen kam es zur Ablagerung von Auenlehm und dadurch stellenweise zu Erhöhungen. Auf diesen kleinen Hügeln, sogenannten Warften, die bei Hochwasser trocken blieben, liegen die alten Siedlungen, so zum Beispiel mehrere Weilergehöfte und die Waalburg in der Ortschaft Göbitz und die auf einem Turmhügel stehende Wasserburg Etzoldshain. Die im Überflutungsbereich liegenden Siedlungsteile sind heute durch ein differenziertes Deichsystem in Verbindung mit der die Abflußspitzen dämpfenden Talsperre im Oberlauf nur noch wenig gefährdet.
Die Landschafts- und Nutzungsgeschichte des Gebietes wird durch großflächige Waldrodungen mit anschließender Ackernutzung geprägt. Die verbreitetste Form der Bodennutzung vom Hochmittelalter bis in das 18. Jahrhundert war die Dreifelderwirtschaft, das heißt der Wechsel von Wintergetreide, Sommergetreide und Brache. Teilweise wurde der Boden auch schon intensiver genutzt. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts säte man in die Brache Futterkräuter, vor allem Klee, für die Stallfütterung ein. Der Rittergutsbesitzer Johann Christian Schubart demonstrierte auf seinen Gütern bei Zeitz diese vorteilhafte Neuerung, worauf er 1784 von Joseph II. anerkennend den österreichischen Adelstitel „Edler von Kleefelde“ verliehen bekam.
Vom verstärkt durchgeführten Braunkohlenabbau, besonders auch in der Umgebung von Profen, blieb lediglich das engere Tal der Weißen Elster verschont, wenn es auch durch Grundwasserabsenkung und Abwassereinleitung in die Weiße Elster stark beeinträchtigt wurde.
Verschiedene Nutzungsansprüche wie Verkehrs- und Siedlungsentwicklung, Kiesabbau und Trinkwassergewinnung werden an das LSG gestellt und stehen oft im Widerspruch zu den Schutzzielen.
Zur Kultur- und Technikgeschichte gehören auch die im 16. Jahrhundert angelegten Kanalbauten, zu denen der Zeitzer Floßgraben zählt. Ein Teilabschnitt verläuft unmittelbar hinter der nordwestlichen Gebietsgrenze. Er diente als Transportweg für Holz in die Städte Leipzig, Pegau, Zeitz und Halle. Mit dem Wasser des Grabens wurden auch Triebwerke und Mühlen betrieben. Dieser Floßgraben ist als technisches Bauwerk bedeutsam. 81 hölzerne und steinerne Brücken queren ihn, darunter die am Nordrand des LSG gelegene ”Märzenbrücke” bei Profen. Zu den bemerkenswerten Punkten gehört auch die Fallflut unmittelbar westlich des Schutzgebietes bei Bornitz.

Geologische Entstehung, Boden, Hydrographie, Klima
Bei Zeitz erreicht die Weiße Elster die durch mächtige Tertiär- und Quartärablagerungen gekennzeichnete Leipziger Tieflandsbucht. Der tiefere Untergrund besteht aus Gesteinen des Buntsandsteins. Darüber lagern diskordant terrestrische und marin beeinflußte Sedimente aus dem Eozän und dem Oligozän mit eingeschalteten Braunkohlenflözen. Die ältesten quartären Bildungen im LSG sind frühelsterkaltzeitliche Schotter der Weißen Elster. Sie sind auf der rechten Talseite außerhalb der Aue unter dem rezenten Auenniveau erhalten. Darüber folgen verbreitet zwei durch Schmelzwasserbildungen getrennte Elster-Grundmoränen, von denen die mächtige untere Grundmoräne den südöstlichen Talhang aufbaut. Auf der linken Talseite beginnt das Quartär bei Zangenberg mit spätelster-kaltzeitlichen Schmelzwassersanden und -kiesen und fraglichen holsteinwarmzeitlichen Seesedimenten. Im Verbreitungsgebiet der frühsaalekaltzeitlichen Hauptterrasse der Weißen Elster sind die älteren quartären Ablagerungen teilweise erodiert oder völlig ausgeräumt. Der Schotterkörper ragt nur wenig über das rezente Auenniveau hinaus und ist auf der linken Talseite, zwischen Tröglitz und Traupitz auch auf der rechten Seite, erhalten. Links der Weißen Elster dominieren saalekaltzeitliche Bildungen, die örtlich auch auf der gegenüberliegenden Talseite das elsterglaziäre Stockwerk, eine Grundmoräne und Schmelzwassersedimente, überdecken. Das LSG befindet sich im Bereich der Maximalausdehnung des Saale-Inlandeises. Den hangenden Profilabschluß bildet die weichselkaltzeitliche Lößdecke. Im Auenbereich sind keine älteren quartären Bildungen erhalten geblieben. Hier lagern die holozänen Auensedimente über der weichselkaltzeitlichen Niederterrasse und dem Präquartär, das heißt Tertiär, im Süden Buntsandstein.
In diesem Abschnitt der Elsteraue dominieren Vegas, in tieferen Lagen treten Gley-Vegas und sehr selten Gleye auf. Die Ablagerungen in den Auen sind sehr jung und lassen sich wie folgt gliedern: Rezent wird jüngster Auenlehm meist in Flutrinnen abgelagert und bildet Humusgleye. Im Mittelalter und früher entstand der jüngere Auenlehm, aus dem sich Vegas und Vegagleye bildeten.
In der Jungsteinzeit/Bronzezeit entstand der ältere Auenlehm mit Bodenbildungshorizont sowie Holzresten und Stücken von verkohltem Holz. Aus dem Spät-Pleistozän und Holozän stammen tonige-schluffige Mudde von zirka 0,6 m Mächtigkeit sowie Sande und Kiese der holozänen Terrasse und Reste der Niederterrasse. Sande und Kiese haben sowohl als Grundwasserleiter als auch als Rohstofflagerstätte Bedeutung. Die Auenlehme der Elsteraue sind karbonatfrei.
Die hydrologische Situation ist gekennzeichnet durch einen relativ hohen Grundwasserstand, durch den eingedeichten, zum größten Teil naturnahen, teilweise aber auch begradigten Flußlauf der Weißen Elster, den naturnahen Ostrauer Mühlbach, den Mühlgraben bei Profen, den Maibach-Vorfluter und mehrere Entwässerungsgräben sowie temporäre Altwasser.
Das LSG liegt in einer Übergangslage am Rande des Leegebietes der Mittelgebirge im Westen und des subkontinentalen Binnenlandes im Osten. Das Klima des LSG ist wärmebegünstigt mit einem langjährigen Mittel von 8,6°C Jahrestemperatur und relativ niederschlagsarm. Das langjährige Mittel beträgt 575 mm Niederschlag.

Pflanzen- und Tierwelt
Im Gebiet des LSG ist die kolline Ausbildung des Traubeneichen-Hainbuchenwaldes die potentiell natürliche Vegetation. Die ursprüngliche Vegetation erfuhr jedoch tiefgreifende Veränderungen durch Waldrodung, intensive Landwirtschaft, Bergbau und verarbeitende Industrie. Die Ufer beziehungsweise Auen der Weißen Elster wurden ursprünglich von Auenwäldern eingenommen, die gegenwärtig nur noch vereinzelt anzutreffen sind.
Heute ist die Elsteraue gekennzeichnet durch inhomogene Pflanzengesellschaften der Wälder und Gebüsche, überwiegend durch die intensive Nutzung geprägte artenärmere Fettwiesen nasser bis frischer Ausbildung, nitrophytische Hoch- beziehungsweise Uferstaudenfluren und Ruderalgesellschaften sowie kleinflächige Wasserpflanzen- oder Röhrichtgesellschaften.
Im einzelnen sind dies Pappel-, Weiden- und Erlengehölze und Weidengebüsche sowie Erlen-Eschenbestände als Fragmente beziehungsweise Ersatzgesellschaften des Silberweidenauenwaldes. Diese entlang von trockengefallenen Altwassern, Wegen und vor allem in den Mäanderschleifen stockenden Auengehölze, überwiegend aus Hybrid- oder Balsam-Pappel, Silber-Weide, Esche, Rot-Erle, Eiche und Winter-Linde sowie Strauchweiden, wie Purpur-Weide, Korb-Weide und Bruch-Weide, sind nur mäßig naturnah ausgebildet und unterliegen meist einer Unterweidung, so daß sich eine zusammenhängende Strauch- und Krautschicht nur in wenigen Fällen ausbilden konnte.
Als Ersatzgesellschaft des frühjahrsgeophytenreichen Eichen-Ulmen-Hartholz-Auenwaldes wird der Bestand südwestlich von Zangenberg angesehen. Charakteristische Arten für die Kraut- und Strauchschicht sind zum Beispiel Hasel, Faulbaum, Holunder, Seidelbast, Einbeere, Aronstab und Vielblütige Weißwurz.
Die intensiv genutzten Wiesenbereiche sind derzeit als relativ artenarm einzustufen, erst bei extensiverer Bewirtschaftung weisen die Auenwiesen eine dem Standortcharakter entsprechende Artenvielfalt auf. Feuchtlebensräume beziehungsweise Gewässerbiotope wie Altarme oder -wasser, Gräben oder Tümpel mit zeitweiliger oder ständiger Wasserführung sind potentiell durch eine vielfältige Vegetation mit Wasserpflanzen- und Verlandungs-Gesell-schaften wie Röhrichte und Großseggenriede geprägt.
Floristische Besonderheiten oder Arten der „Roten Liste“ sind derzeit kaum vertreten, was auf die zu intensive landwirtschaftliche Nutzung zurückzuführen ist. Hervorzuheben sind Feldlöwenmaul und Herbstzeitlose sowie Schwanenblume, Hohe Schlüsselblume und Braunstieliger Streifenfarn.
Das Mosaik der Auengehölze in Verbindung mit den Auenwiesen und den unterschiedlichen Gewässerstrukturen bietet einer mannigfaltigen Fauna Lebensraum. Von den Säugetieren wurden unter anderem nachgewiesen: Waldspitzmaus, Zwergspitzmaus, Wasserspitzmaus, Gartenspitzmaus, Feldspitzmaus, Maulwurf, Feldhase, Zwergfledermaus, Wasserfledermaus, Abendsegler, Breitflügelfledermaus, Braunbrustigel, Zwergmaus, Mauswiesel, Iltis und Dachs.
An Vögeln sind insbesondere die charakteristischen Arten Rot- und Schwarzmilan und Eisvogel zu erwähnen. Von überregionaler Bedeutung ist das Vorkommen des vom Aussterben bedrohten Steinkauzes im LSG. Wie das Rebhuhn ist auch der bedrohte Feldhase ein Indikator für den Strukturreichtum des Gebietes. Zahlreiche Mollusken wie zum Beispiel Große Schwarze Wegschnecke und Weinbergschnecke bewohnen den meist feuchten Bodenbereich. Hervorhebenswert ist weiterhin das Vorkommen des stark bedrohten Hirschkäfers und des in Sachsen-Anhalt vom Aussterben bedrohten Ufer-Laufkäfers. Von den Libellenarten werden Gebänderte Prachtlibelle, Glänzende Binsenjungfer und Gemeine Winterlibelle aufgeführt. Auch eine artenreiche Schmetterlingsfauna kommt in Abhängigkeit vom Blütenangebot im LSG vor: Gelbwürfliger Dickkopffalter, Rostfleckiger Dickkopffalter, Schwalbenschwanz, Aurorafalter, Zitronenfalter, Tagpfauenauge, Admiral, Distelfalter, Kleiner Fuchs, C-Falter, Landkärtchenfalter, Kaisermantel, Schachbrett, Schornsteinfeger, Gemeines Wiesenvögelchen und Faulbaum-Bläuling sind einige der Arten.
Die trotz der Gewässerbelastung noch relativ reiche Fischfauna der Weißen Elster ist erwähnenswert. Dazu gehören: Döbel, Hasel, Karausche, Moderlieschen sowie Schmerle. Als Folge der Gewässerbeeinträchtigungen, beispielsweise durch Ausbaumaßnahmen, Beweidungen der Ufer, Nährstoffeintrag durch angrenzende Ackerflächen oder Abwassereinleitungen in Siedlungsnähe, entspricht das vorkommende Artenspektrum jedoch keineswegs dem potentiell möglichen. Dennoch muß diesen Fischbeständen als Besiedlungspotential der Elster große Bedeutung geschenkt werden.

Entwicklungsziele
Ein wichtiges Entwicklungsziel ist die Extensivierung der Wiesennutzung zur Gewährleistung der standörtlichen Naturhaushaltsfunktionen sowie zur Erhöhung der Lebensraumqualität und damit der Artenvielfalt. Von besonderer Bedeutung ist die Erhaltung beziehungsweise Regenerierung artenreicher, strukturierter Feucht- und Naßwiesen unter anderem durch Festsetzung entsprechender Mahdtermine und Weidenutzung mit geringem Viehbesatz.
Schließlich sollte langfristig auch die Umwandlung aller im Überflutungsbereich gelegenen Ackerflächen in Wiesenflächen gewährleistet werden, um die Funktion als Retentionsraum zu sichern.
Ein weiteres Ziel für die Entwicklung des gesamten Auenbereiches sind auch der Erhalt bzw. die Aktivierung des natürlichen Flußabschnittes der Weißen Elster zwischen Ostrau und Profen sowie die Etablierung der Weichholz-Silberweidenaue in geeigneten Teilbereichen. Wesentlich ist auch die Erhaltung und Förderung des typischen Artenspektrums der Fischfauna, besonders durch die Herstellung der ökologischen Durchlässigkeit auf der Länge der gesamten Fließstrecke und Verbesserung der Wasserqualität durch Verhinderung von Einträgen belastender Stoffe.
Eine Aufwertung des Landschaftsbildes, speziell der Uferzonen, wird durch naturnahe standortheimischer Gewässerbegleitgehölze erreicht.
Die Erhaltung der Altwasser in ihrer auentypischen Arten- und Standortsvielfalt ist Pflege- und Entwicklungsziel dieses Teilbereiches, da sie unter anderem als Lebensraum zahlreicher Pflanzen- und Tierarten innerhalb des Biotopverbundes wichtige Funktionen besitzen.
Die Gehölze sind schrittweise in standortgerechte naturnahe Bestände der Hartholzaue mit dominanter Esche, Eiche und Ulme umzuwandeln. Dazu gehört auch die Neuanlage beziehungsweise sinnvolle Erweiterung der vorhandenen Streuobst- und Kopfbaumbestände.
Feldgehölze, Baumreihen und Einzelbäume stellen neben ihrer prägenden Bedeutung für das Landschaftsbild auch wichtige Trittsteine im Biotopverbund zwischen den einzelnen Naturraumelementen als Lebensräume zahlreicher Tierarten dar.

Exkursionsvorschläge
Bei einer Wanderung durch das LSG, teils in Ufernähe der Weißen Elster, teils durch die Wiesenlandschaft, können sowohl die landschaftlichen Besonderheiten als auch, mit Geduld und Ruhe, einige charakteristische Vertreter der Tierwelt des Gebietes erlebt und beobachtet werden. Abgerundet werden kann diese Wanderung mit dem Besuch der Wasserburg Etzoldshain und des Weilerdorfes Göbitz mit seiner kleinen Waalburg.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2019

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