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Erweiterung des LSG Saale

Größe: 2.257 ha
Codierung: LSG0056BBG 
Landkreis: Salzlandkreis (SLK)
Verordnung: Verordnung über die Festsetzung des Landschaftsschutzgebietes "Erweiterung des LSG Saale" im Landkreis Bernburg vom 05. Dezember 1997 (Amtsblatt f. d. Landkreis Bernburg. - 9(1998)190 v. 14.01.1998, S. 2) (520 KB, nicht barrierefrei)
Karte: (1,7 MB, nicht barrierefrei)
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Gebietsbeschreibung
Das Landschaftsschutzgebiet umfaßt einen Landschaftsausschnitt zwischen Zickeritz und Alsleben im Südwesten des Landkreises Bernburg, der den Abfall der Hochfläche im nordöstlichen und östlichen Vorland des Harzes zum Saaletal repräsentiert. Im Norden und Osten schließt es an das LSG „Saale“ an. Mit dem Pfingstgrund bei Zellewitz reicht ein Erosionstal aus dem Randbereich der Schlenze in das LSG hinein.
Die weite, flachwellige Hochfläche des östlichen Harzvorlandes fällt nach Osten zum tief eingeschnittenen Saaletal ab und wird durch markante Erosionstäler zerschnitten. Sie werden häufig von Hohlwegen und Ackerrandterrassen begleitet. Die steilen Abschnitte der Hänge heben sich durch ihr kleinteiliges Biotopmosaik und ihren Bestand an Gehölzen, Streuobstwiesen und Trockenrasengesellschaften von den ungegliederten Ackerflächen ab und beleben das Landschaftsbild.
Auf der Hochfläche dominiert auf Großschlägen ackerbauliche Nutzung. Gliedernde Elemente sind die Obstbaumalleen entlang der Wege und die Kleinhalden. Letztere sind Zeugen des historischen Kupferschieferabbaus im Naundorfer Revier, einem isolierten, lokalen Abbaugebiet nördlich der Halle-Hettstedter Gebirgsbrücke, das zu den Mansfeldischen Kupferschieferrevieren zählt.
Der Gutspark Piesdorf an der westlichen Grenze des LSG wurde als Geschützter Park ausgewiesen. Es handelt sich um eine Parkanlage mit Teichen, die teilweise verlandet sind.

Landschafts- und Nutzungsgeschichte
Seit dem Neolithikum kann von einer lückenlosen Besiedlung der Landschaft ausgegangen werden, wenngleich im Landschaftsschutzgebiet keine so frühen Nachweise gelangen. Hervorgehoben werden soll aus der Bronze-/Früheisenzeit eine kleine Siedlungskammer zwischen Piesdorf und Belleben im nordwestlichen Bereich des LSG. Sie umfaßte Befestigungsanlagen, Grabhügel und eine Kultstätte. Eine bei Belleben gefundene silberne Gewandspange stellt eine angelsächsische Arbeit dar und ist somit Einfuhrgut.
Bemerkenswert ist weiterhin eine frühmittelalterliche Befestigung bei Strenznaundorf mit einem zugehörigen Flursystem.
Im Zuge einer langen Nutzungsgeschichte entstand die heute charakteristische Nutzflächenverteilung. Die fruchtbaren, gering geneigten Hochflächen werden intensiv ackerbaulich bewirtschaftet. Stärker geneigte Hänge weisen Restgehölze auf oder wurden als Grünland, vorwiegend als Schaftrift, genutzt. Dies förderte die Entstehung von Halbtrockenrasen auf diesen Standorten. Besonders durch das Kleinklima begünstigte Standorte innerhalb der Erosiontäler, aber auch entlang des Saalehanges, sind von Obstwiesen bestanden.
Besonderheiten des Landschaftsbildes stellen die Kleinhalden des Kupferschieferabbaus dar. Erste Versuche des Kupferschieferabbaus im Ausstrichbereich des Flözes datieren bereits aus dem 16. Jahrhundert. Der Abbau erfolgte entlang des Naundorfer Stollens, dessen Mundloch nördlich Gnölbzig im Hangbereich lag. Er führte von Gnölbzig über Strenznaundorf und bog nach Westen ab, wo er südlich Piesdorf endete. Sein Verlauf wird an der Oberfläche von zahlreichen Kleinhalden begleitet, die sich besonders südlich Piesdorf konzentrieren.
Neben dem erwähnten Tiefbau entstanden auch Kleinformen durch oberflächlichen Abbau, unter anderem ein Gips-Bruch am Saalehang westlich Gnölbzig.

Geologische Entstehung Boden, Hydrographie, Klima
Die Geologie des Gebietes wird bestimmt durch die Halle-Hettstedter Gebirgsbrücke, an deren nördlichem Rand die Sedimentgesteine der Edderitzer Mulde, Perm und Trias, ausstreichen.
Diese werden von pleistozänem Geschiebemergel der Saalevereisung und weichselzeitlichem Löß und Lößlehm überdeckt. Die Bildungen des Rotliegenden, des Zechsteins und des Buntsandsteins treten in Bereichen zutage, an denen diese Decke abgetragen wurde. Dies sind die steilen Hänge der Erosionstäler und der Talhang der Saale.
Auf der Hochfläche dominieren Tschernoseme aus Löß; Steppenböden, die seit der Jungsteinzeit als Acker genutzt werden und nie eine völlig geschlossene Walddecke getragen haben. An den Hängen finden sich verschiedene Rendzinen. Rendzinen sind karbonatführende, flachgründige Böden mit einem A-Horizont, der weniger als 40 cm mächtig ist. Dort, wo permokarbone Sandsteine, Konglomerate, Schluffe und Tonsteine ausstreichen, sind verschiedene Ranker und Regosole vorhanden, karbonatfreie, flachgründige Böden mit einem A-Horizont von weniger als 40 cm. In den Nebentälern der Saale sind Kolluviallöß-Tschernoseme und Gley-Tschernoseme verbreitet. Die Böden der Saaleaue sind in der Beschreibung des Landschaftsschutzgebietes „Saale“ weiterhin ausführlich erläutert.
Der oberste Grundwasserleiter steht in einer Tiefe von zirka 20 m an. Lediglich an der Grenze der Schichten vom Karbon zum Perm und Trias ist Grundwasser in 10-20 m Tiefe vorhanden.
Der Grund der Erosionstäler weist zum Teil episodisch wasserführende Gerinne auf. In den größeren wie dem Tal des Schlackenbaches, der bei Alsleben in die Saale mündet, sind Bäche mit permanenter Wasserführung vorhanden.
Die Landschaft gehört zum östlichen Randbereich des mitteldeutschen Trockengebietes. Mit einer in der Station Belleben gemessenen Niederschlagssumme von 501 mm/Jahr zeigt sich der ausklingende Einfluß vom Regenschatten des Harzes. Die Jahresmitteltemperatur der Luft liegt bei 9°C. Bei relativ geringen Januar-Temperaturen und hohen Werten im Juli erreicht die mittlere Temperaturamplitude der Luft 18,6°C. Dies weist auf den subkontinentalen Charakter des Gebietes hin.

Pflanzen- und Tierwelt
Die Erosionstälchen, Steinbrüche sowie Kleinhalden innerhalb der intensiv ackerbaulich genutzten Hochfläche bilden wichtige Refugien für gefährdete Arten der Flora und Fauna.
Wesentliches Charakteristikum der Landschaft ist das Auftreten von Biotopen trockenwarmer Standorte. Im Bereich der offenen Kleinhalden sind bestandsbedrohte, schwermetallverträgliche Lebensgemeinschaften vorhanden, die besonders schutzbedürftig sind. Als Charakterpflanze der offenen Kupferschieferhalden kann das sogenannte "Kupferblümchen", die Frühlings-Miere, betrachtet werden.
Die Erosionstäler weisen artenreiche, kontinentale Halbtrockenrasen auf. Sie schließen kleinflächige Felsfluren und Trockenrasen ein. Neben typischen Arten wie Fieder-Zwenke, Schwingel-Arten oder Zypressen-Wolfsmilch sind auch gefährdete Arten vertreten wie Dänischer Tragant, Graue Skabiose, Kuhschelle, Pferde-Sesel und Pfriemengras. Auf schuttreichen, offenen Flächen findet man Gänsesterbe, Frühlings-Hungerblümchen und Frühblühenden Thymian. In der Grube Strenznaundorf befindet sich ein Standort des Großen Zweiblattes.
Die Saalehänge bei Gnölbzig weisen Bestände von Halbtrockenrasen und Gebüschen mit zum Teil xerothermer Ausprägung auf. Hier kommen unter anderem Pfriemengras, Dänischer Tragant, Bärenschote, Franzen-Enzian und Ästige Graslilie vor.
Eine Besonderheit ist der ehemalige Gipsbruch Strenznaundorf, der für diesen Standort typische Pioniergesellschaften beherbergt.
Außerdem sind Obstwiesen, Gebüsche und naturnahe Waldreste vorhanden, aber auch weniger wertvolle Robinien- und Pappelanpflanzungen.

Entwicklungsziele
Innerhalb des LSG sollen die verbliebenen ökologisch wertvollen Strukturen erhalten und als Ausgangspunkte eines zu entwickelnden Biotopverbundes gesichert werden. Besonders die extensive Nutzung der landschaftstypischen Trockenstandorte durch Obstbau und Schafhutung sollte beibehalten werden.
Durch eine weitere Gliederung und Belebung der Hänge durch Hecken und Feldgehölze, breite blütenreiche Säume und Sukzessionsflächen könnte das Landschaftsbild aufgewertet und somit gleichzeitig ein effektiver Schutz des Bodens vor Wind- und Wassererosion erreicht werden. Im Bereich der Gehölz- bzw. Restwaldflächen wird eine naturnahe Artenzusammensetzung angestrebt. Das schließt die Umwandlung standortfremder Gehölzpflanzungen und die Entwicklung vielfältiger Waldmäntel mit vorgelagerten Säumen ein.
Die Siedlungsrandbereiche sollen harmonisch in die Landschaft eingebunden werden, landschaftsbildstörende Bauten sind durch geeignete Gehölzpflanzungen abzuschirmen.
Neben dem Erhalt der Schönheit, Vielfalt und Eigenart des Landschaftsbildes steht die Gebietssicherung für naturverträgliche Erholung im Zentrum der Bemühungen, die im Rahmen der Arbeit vom Naturpark "Unteres Saaletal" koordiniert werden.

Exkursionsvorschläge
Wanderung an der Grenze zum LSG „Saale“
Ausgehend von der Fähre in Brucke führt ein Weg nach Norden entlang des Saaleufers zur Schleuse. Links zweigt ein Weg in den Wald ab und führt bergauf, bis sich an einer Hangkante ein Blick über das Saaletal öffnet. Nach etwa 100 m Anstieg ist eine höher gelegene Hangkante erreicht, von wo sich nochmals ein Panoramablick über das Saaletal und seine Hänge bietet. Vom unteren Aussichtspunkt gelangt man durch einen Hohlweg auf das Plateau. An der nächsten Wegekreuzung führt ein von alten Kirschbäumen gesäumter Weg nach Zickeritz. Durch das NSG „Zickeritzer Busch“ kann man an den Ausgangspunkt Brucke zurückkehren.
Bemerkenswert sind das Schloß in Alsleben, ein im 18. Jahrhundert ausgebauter Barockbau aus dem Jahr 1698, sowie die romanische Dorfkirche in Ihlewitz mit ihrem Turm von 1868.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2019

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