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Habitatoptimierung an Fundorten des Frauenschuhs (Cypripedium calceolus) im Saale-Unstrut-Gebiet

Ausgangssituation und naturschutzfachliche Notwendigkeit der Maßnahme

Der Frauenschuh (Cypripedium calceolus) ist eine streng geschützte einheimische Orchideenart, die in den Anhängen II und IV der FFH-Richtlinie gelistet ist.

Die Art besiedelt in Sachsen-Anhalt neben Halb- und Volltrockenrasen (LRT 6210*) sowie mageren Frischwiesen (LRT 6510) verschiedenste Gehölzformationen (Wald- und Gebüschsäume, Gebüsche trockenwarmer Standorte, haselreiche Vorwaldstadien, Eichen-Hainbuchenwälder [LRT 9170] sowie Buchenwaldgesellschaften [LRT 9130 und 9150]) auf basenreichen, meist kalkhaltigen Standorten.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Art in Sachsen-Anhalt starke Bestandsrückgänge zu verzeichnen, die zum weitgehenden bzw. überwiegend vollständigen Verlust der Art in mehreren FFH-Gebieten (z. B. FFH 148, 149, 150, 151, 153) führten. Lediglich im Forst Bibra (FFH 139) existiert gegenwärtig noch eine größere Anzahl von Fundorten mit jedoch ebenfalls rückläufiger Anzahl und Individuenzahl.

Das Landesamt für Umweltschutz hat in beauftragten Gutachten diese Bestandsentwicklung mindestens seit dem Jahr 2009 dokumentiert.

Im Jahr 2025 wurden 65 der im Jahr 2022 noch als rezent bestätigten Vorkommen erneut überprüft. Davon waren an 15 Fundpunkten keine Frauenschuh-Individuen mehr nachweisbar. Dies entspricht einem Fundort-Verlust innerhalb von drei Jahren von knapp 25%. Die Gesamtsprosszahl sank in diesem Zeitraum von 2649 auf 1001 Triebe, die Blührate (Verhältnis blühender zu nichtblühenden Trieben) sank von 0,52 auf 0,46.

Als Ursachen müssen neben trockenheitsbedingten Ausfällen, unzureichender generativer Vermehrung, Diebstahl, Fraßschäden durch Wildtiere (bes. Schnecken) v. a. sich verschlechternde Habitatbedingungen angesehen werden. In Offenlandgesellschaften sind hier Verbuschungen und Verfilzungen der Grasnarbe zu sehen. In gehölzdominierten Habitaten kam es seit dem Jahr 2018 verstärkt durch hitze- und trockenheitsbedingte Absterbeerscheinungen in den oberen Baumschichten zu einer massiven Entwicklung der Strauchschicht, wodurch sich die Lichtbedingungen für den Frauenschuh pessimal gestalten. Die Folge sind Rückgänge der Blührate durch zunehmend steril bleibende Triebe, die Reduktion der Triebzahl je Individuum sowie das Absterben der Pflanzen. Durch eine Regulierung des Lichtregimes kann eine Revitalisierung erreicht werden. Entsprechende Erfahrungen liegen vor (MEYSEL 2016).

Flächencharakteristik, begünstigte Arten und Biotope

Für dieses Projekt wurden 32 Flächen ausgewählt, auf denen eine Pflege besonders dringend nötig ist. Diese Orte mit rezenten Vorkommen des Frauenschuhs im Burgenlandkreis weisen entweder ein Potenzial zur Steuerung des Lichtregimes im Wald auf oder sind Grünlandflächen mit dringendem Mahdbedarf. Die gesamte Projektfläche beträgt etwa 5,36 ha.

Alle Projektflächen sind Bestandteil der NATURA-2000-Kulisse innerhalb von drei FFH-Gebieten (FFH 139, 150, 151). Für die FFH-Gebiete 150 und 151 (Hirschrodaer Graben, Tote Täler südwestlich Freyburg) liegen Managementpläne (MMP) vor. Die im ELER-Projekt vorgesehenen Maßnahmen (Mahd und Entbuschung) entsprechen den fachlichen Empfehlungen des MMP.

Zielsetzung

Das Ziel des Projekts ist es, mit ersteinrichtenden und erhaltenden Maßnahmen einen günstigen Habitatzustand auf rezenten Vorkommensflächen bzw. -punkten des Frauenschuhs wiederherzustellen.

An den Offenlandfundorten sollen durch Mahd, im Einzelfall auch durch ersteinrichtende Entbuschung, lückige Rasenstrukturen realisiert werden. An gehölzdominierten Vorkommen sollen durch Rückschnitt der Strauchschicht die Lichtbedingungen für den Frauenschuh verbessert werden. Insoweit die Maßnahmen in FFH-LRT stattfinden, werden die LRT-typischen Strukturen verbessert sowie dadurch die Bestände der wertgebenden Arten stabilisiert.

Geplante Umsetzung

Die Maßnahmen auf den einzelnen Pflegeflächen sind spezifisch an die lokalen Erfordernisse angepasst. Folgende Arbeiten sind geplant:

Die Mahd der Offenlandflächen soll erdbodengleich mittels Freischneider jeweils im Winter der Jahre 2026/27, 2027/28 und 2028/29 erfolgen. Auf einer Fläche geht der Mahd eine umfangreiche ersteinrichtende Entbuschung voraus.

Der Rückschnitt der Strauchschicht an gehölzdominierten Vorkommen (Wälder und Gebüsche) erfolgt dreimalig im Winter der Jahre 2026/27, 2027/28 und 2028/29. Dabei werden Gehölze von maximal drei Metern Höhe entnommen. Bei dieser Höhe weisen die Gehölze maximale Durchmesser von drei bis vier Zentimetern auf. Bei diesen Dimensionen ist davon auszugehen, dass sich das abgeschnittene Material rasch zersetzt. Somit soll eine Beräumung dieser Flächen unterbleiben.

Die Maßnahmen werden grundsätzlich zwischen Oktober und Februar ausgeführt. Dies orientiert sich zum einem am Wuchsrhythmus des Frauenschuhs (Austrieb ab März, Blüte-, Frucht- und Assimilationszeit bis Ende September). Zum anderen wird damit den Vorgaben des BNatschG §39 (5) Rechnung getragen.

Finanzierung

Das Projekt wird durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) unterstützt.
 

Letzte Aktualisierung: 04.09.2026

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Kontakt:

Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Reideburger Str. 47
06116 Halle (Saale)
Tel.: +49 345 5704-0
E-Mail an die Poststelle