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Witterungsbericht des meteorologischen Winters 2019/2020 (1. Dezember – 29. Februar)

Jahresniederschlag der Jahre 2018 und 2019 und Kompensation durch den Februar 2020?

Das dominierende Thema der vergangenen Witterungsberichte war die Dürre der Jahre 2018 und 2019. Es sei an dieser Stelle ein kurzer Blick zurück gestattet. Die Medienberichte über die Dürre in Sachsen-Anhalt, Deutschland, ja ganz Europa sind sicherlich jedem in Erinnerung geblieben.
Verbunden mit hohen Temperaturen und dadurch erhöhter Verdunstung hatten besonders Landwirte große Ertragseinbußen zu verzeichnen. Auch der Wald litt unter der Trockenheit und Wärme, verbunden mit der erhöhten Population des Borkenkäfers. Diese Probleme sind auch zum derzeitigen Zeitpunkt noch relevant.
Um ein Gefühl für den Wassermangel zu bekommen, lohnt sich die Betrachtung der Jahresniederschläge:
In der Referenzperiode (1961 bis 1990) liegt der durchschnittliche Jahresniederschlag in Sachsen-Anhalt bei 547,6 mm. 2018 fielen lediglich 352,5 mm und 2019 nur 485,5 mm. Dies ergibt für 2018 eine Differenz von 195,1 mm und für 2019 eine Differenz von 62,1 mm. Zusammen bedeutet dies 257,2 mm fehlenden Niederschlag in zwei Jahren. Damit fehlt fast die Hälfte eines durchschnittlichen Jahresniederschlags.

Nun könnte man meinen: „Der Februar war doch überdurchschnittlich niederschlagsreich. Können wir uns denn immer noch in der Dürre befinden?“
Trotz des recht nassen Februars 2020 (83,1 mm im Vergleich zu mittleren 33,2 mm der Referenzperiode), sollte man sich jedoch nicht täuschen lassen: mit diesem Plus von 49,8 mm werden 19,4 % des oben erwähnten 257,2 mm Defizits der letzten beiden Jahre wettgemacht. In den unteren Bodenschichten kommt davon nur ein Bruchteil an, sodass der Boden in tieferen Schichten immer noch überdurchschnittlich trocken ist. Dies zeigt auch ein Blick auf den Dürremonitor des UFZ, der schon in vorherigen Ausgaben dieses Witterungsberichts erwähnt wurde.

Verlauf des Winters und Mittelwertbetrachtung

Nur an wenigen Tagen des meteorologischen Winters entsprach die Tagesmitteltemperatur der Jahreszeit. Insbesondere sei hier an das sehr milde Weihnachtsfest oder an die frühlingshaften, teils sonnenscheinreichen Tage Mitte Januar (wie bspw. vom 15. bis 17. Januar) oder den Februar, der von der Wechselhaftigkeit des Wetters und seinen Niederschlägen und der Temperatur oftmals mehr Herbst als Winter zu sein schien, erinnert. Wiederholt kam es im Februar zu Stürmen und Unwetterwarnungen. Beispielhaft seien hier die Tiefs Sabine, Victoria und Bianca erwähnt, die zu Unwetterwarnungen des DWD und teils zu Verkehrsstörungen im gesamten Bundesgebiet führten. Sturmtief Sabine sorgte auf dem Brocken für Orkanböen bis zu 171 km/h am 10.02.2020 (Quelle: Deutscher Wetterdienst). 

In allen drei Monaten gab es wiederholt Tageshöchsttemperaturen im zweistelligen Bereich, die häufig an den Frühling denken ließen. Starker Frost blieb dagegen weitgehend aus. In Abbildung 1 und Abbildung 2 sind die Anzahl der Frost- und Eistage am Beispiel der DWD-Station Wittenberg dargestellt. Frosttage sind Tage, an denen die Minimaltemperatur unter 0 °C sinkt. Eistage sind Tage, an denen die Maximaltemperatur die 0 °C-Grenze nicht erreicht bzw. überschreitet. Die Anzahl der Frosttage (siehe Abbildung 1) ließ zu wünschen übrig. Von normal 57 Frosttagen erreichte die Station Wittenberg gerade einmal 24 Frosttage – also weniger als die Hälfte des als in der Referenzperiode normal anzusehenden Wertes. In Abbildung 2 wird deutlich, dass es in diesem meteorologischen Winter keinen einzigen Eistag an der Station Wittenberg gab. Normal (Mittel der Referenzperiode 1961 bis 1990) sind jedoch 23 Eistage.

Im Mittel des meteorologischen Winters meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) für Sachsen-Anhalt:
Der Niederschlag lag mit 147,3 mm um 23,6 % über dem mittleren Niederschlag von 119,2 mm der Referenzperiode 1961 bis 1990.
Die Temperatur war mit 4,8 °C deutlich zu mild: um 4,4 K wurde das Temperaturmittel von 0,4 °C der Referenzperiode übertroffen.
Und auch der Sonnenschein war überdurchschnittlich: Mit 178,8 Sonnenstunden im Vergleich zu durchschnittlich 145,4 h der Referenzperiode ergibt sich ein Plus von 33,4 h – also 22,9 % mehr Sonnenscheinstunden.

Der milde Winter in Europa kann mit der starken Ausprägung des Polarwirbels in Verbindung gebracht werden. Durch die stetige Regeneration dieses Höhentiefs wurden Kaltluftausbrüche nach Süden unterbunden. Vielmehr herrschten atlantische Luftmassen mit südwestlicher Anströmrichtung, welche milde Meeresluft nach Mitteleuropa brachten.
Während im Dezember und Januar Hochdruckgebiete über Südeuropa teils für Wetterberuhigung sorgten, wurde Deutschland im Februar vor allem von Tiefdruckgebieten, welche über Nordeuropa hinwegzogen, beeinflusst.

Auswirkungen auf Flora und Fauna

Auch die Natur blieb von dem überdurchschnittlich milden Winter nicht unbeeinflusst. Nicht selten konnte man das Gezwitscher von Vögeln wahrnehmen. Frühblüher wie Winterling, Schneeglöckchen oder Krokus waren schon zeitig im Jahr 2020 zu entdecken. Ein Blick auf die phänologische Uhr des DWD  zeigt, dass der phänologische Vorfrühling 2020 (markiert durch den Blühbeginn der Hasel) in Sachsen-Anhalt schon am 23.01. begann. Im langjährigen Durchschnitt melden die phänologischen Beobachter des DWD dieses Ereignis erst am 12.02.  

Für alle Daten gilt, soweit nicht anders angegeben: Quelle: Deutscher Wetterdienst

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